Offene Liste Die Linke/Piratenpartei

Neues Gewerbegebiet südlich von Erding West

2015-12-16 12_44_32 In der Sitzung vom Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss (StUVA) am 15.12.2015 wurde mehrheitlich (12:2 Stimmen) der Aufstellungsbeschluss für die Entwicklung einer neuen, großen Gewerbefläche südlich vom bestehenden Gewerbegebiet „Erding-West“ gefasst.

Diese neue Gewerbefläche (im Bild die rote Fläche) soll im Wesentlichen im westlichen Bereich Platz für ein Logistik-Unternehmen bieten. Genauer wurde uns dies nicht ausgeführt, jedoch ist klar, dass dadurch eine deutliche Zunahme des Verkehrs anzunehmen ist. Die Untersuchung dieser Verkehrsströme ist auch wesentlicher Bestandteil der weiteren Planung, insbesondere da die Dachauer Straße in ihrem aktuellen Ausbau dafür nicht ausgelegt zu sein scheint. Dieses Logistik-Unternehmen ist wohl auch an die Stadt Erding herangetreten mit dem Wunsch für eine Ansiedlung und damit wesentlicher Auslöser für die Planung.
Weiter soll in diesem Gebiet „Industrienutzung“ erfolgen. Dafür gibt es anscheinend noch keinen konkreten Bewerber, daher blieb die Darstellung vage. Die Rede war von „Light Industrie“ (im Sinne von „Leicht“), d.h. Produktionsanlagen für Plastik- oder Metallwerkstücke. Wieviele Arbeitsplätze, deren Schaffung wurde besonders hervorgehoben, durch solche womöglich hoch automatisiert arbeitenden Fertigungsanlagen dann tatsächlich geschaffen werden und ob die durch das Logistik-Unternehmen erschaffenen Arbeitsplätze tatsächlich so hochwertig sind, dass man davon in Erding leben kann, kann natürlich noch nicht gesagt werden. Dass wir aber eigentlich bei einer Arbeitslosenquote von 1.6% eher keine neuen Arbeitsplätze benötigen, ist dann schon etwas sicherer.
Die dritte Nutzungsmöglichkeit – und außer bei dem Logistiker gibt es wohl noch keine konkreten Bewerbungen um Flächen – soll für das lokale Handwerk eröffnet werden. Möglicherweise in der Form eines schon oft gewünschten Handwerkerhofs. Gerade das Handwerk ist aber häufig nur auf der Suche nach möglichst günstigen Flächen, welche aber in Erding eher kaum zu haben sein werden. Und die Stadt darf ihre Flächen nicht unter Wert verkaufen. Die Umsetzung ist hier also eher fraglich.
Zuletzt wurde noch dargestellt, dass der schon lange auf der Suche nach einem neuen, größeren Platz befindliche Recyclinghof auf der neuen Gewerbefläche ausreichend Platz finden könnte. Für den Betrieb ist dann das Landratsamt zuständig, die Fläche stellt aber eben die Stadt.

Einerseits kann eine solche Gewerbeansiedlung als Glücksfall angesehen werden, da Neuansiedlungen nicht als selbstverständlich angesehen werden können und die Stadt Erding damit eben auch in Konkurrenz mit allen anderen Gewerbegebieten steht. Andererseits wird dafür eine Fläche reserviert, welche erst vor Kurzem im fortgeführten Flächennutzungsplan explizit weiter als Landwirtschaftsfläche ausgewiesen wurde. Im Flächennutzungsplan wurde zudem der Grundsatz formuliert, „Landwirtschaftliche […]  Flächen sollen primär gesichert und nur im notwendigen Umfang umgenutzt werden“. Immerhin fügt sich die neue Fläche sehr gut an das bestehende Gewerbegebiet an, es wird damit gewissermaßen abgeschlossen. Eine weitere Ausweisung von Flächen im südlichen Bereich ist damit schon deutlich schwieriger, zumindest optisch.

In der Lenkungsgruppe „Zukunftsplan Gewerbe Erding 2030“, in der ich Mitglied bin, wurde zuletzt dargestellt, welche Gewerbearten in Zukunft in Erding sinnvollerweise angesiedelt werden könnten bzw. gefördert werden sollten. Logistik kam zwar auch in der Liste vor, aber sicher nicht an erster Stelle. Leider habe ich die Liste noch nicht vorliegen, sie wurde uns nur kurz präsentiert. Andererseits hat diese Lenkungsgruppe noch kein konkretes Ergebnis vorliegen, es gibt bisher nur eine gemeinsame Aussage in Richtung mehr Wachstum und Qualität der Gewerbeflächen. Daher ist die Ausweisung dieser Gewerbefläche ein noch nicht abgestimmter Vorgriff auf ein mögliches Ergebnis der Lenkungsgruppe. Andererseits ist Gewerbeansiedlung kein Planspiel, es können nur Anreize geschaffen werden, um Unternehmen anzulocken. Daher werden wir sicher die Ergebnisse der Lenkungsgruppe nur ungenau umsetzen können.

Für mich hat die Ausweisung neuer Wohnflächen deutlich höhere Priorität als die Schaffung neuer Arbeitsplätze – zumindest im Umfeld von Erding. Dass dabei bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird, wäre zwar natürlich wünschenswert, ist aber leider nicht realistisch – trotz der Verabschiedung von SoBoN. Gerade durch die Blockade der Überschwemmungsflächen bis zur Lösung der Hochwasserproblematik sollte dies aber fokussiert werden, um den Wohnungsmarkt in Erding wieder etwas zu entspannen und das geplante Wachstum umzusetzen.

Pro:

  • Chance einer großen Neuansiedlung eines Gewerbes
  • Mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze
  • Hohe Gewerbesteuereinnahmen

Contra:

  • Starke Verkehrszunahme
  • Versiegelung einer großen Fläche
  • Anzahl und Qualität der Arbeitsplätze ist fraglich
  • Die Ausweisung der Flächen ist nicht konkret mit Bewerbern abgestimmt
  • Die Flächen werden vermutlich zu teuer für die Ansiedlung von Handwerkern sein
  • Ausweisung von Wohngebieten sollte höhere Priorität haben

Update 19.12.2015

Mittlerweile hat der Erdinger Anzeiger nicht nur über die Stadtrats-Sitzung berichtet, sondern Hans Moritz hat heute auch einen Kommentar verfasst. Aus diesem möchte ich ein paar Punkte aufgreifen:

  • Er schreibt, dass bei der aktuell niedrigen Arbeitslosigkeit in Erding weitere Arbeitsplätze nicht benötigt werden. Im Gegenteil „verstärkt dies nur den Druck auf die öffentliche Infrastruktur und verschärft vor allem die Lage auf dem Immobilienmarkt.“. Mir erscheint damit die gesamte Ausweisung des neuen Gewerbegebiets fraglich, da die neuen Gewerbebetriebe ihren Betrieb aufgrund mangelnder Arbeitskräfte nicht aufbauen können.
  • Er stellt die Aussage, dass ein Mangel an Gewerbeflächen in Erding besteht, in Frage. Als Beispiel nennt er das nur schlecht laufende Gewerbegebiet Bergham bei Aufhausen. Hier muss ich bemerken, dass die Beobachtung für dieses Gewerbegebiet sicher richtig ist, es gibt in Erding tatsächlich auch noch weitere ungenutzte Gewerbeflächen. Diese sind aber aufgrund von Lage, Umfeld und insbesondere Größe für die Unternehmen unattraktiv. Die Gründe für Leerflächen/-stände sind also vielschichtig, zeigen aber, dass der Bedarf nur dann zu bestehen scheint, wenn besonders attraktive Flächen zur Verfügung gestellt werden.
  • Auf sein Argument, dass ein „Wettrüsten der Gemeinden“ durch die Neuausweisung beginnt, würde unser Oberbürgermeister vermutlich antworten, dass dieses schon längst begonnen hat. So ähnliche Aussagen waren von ihm zu hören. Andererseits lässt sich durchaus feststellen, dass Erding bisher schon sehr gut da steht und es daher kaum nötig hat, das Tempo weiter zu erhöhen.

Der Eindruck verstärkt sich, dass hier lediglich für einen Interessenten eine Gewerbegebietsausweisung begonnen wurde und ansonsten bisher kein fertiges Konzept besteht. Der weitere Planungsprozess wird zeigen, ob die Bedenken und offenen Fragen geklärt werden können oder ob, und das ist meine eigentliche Befürchtung, der nun begonnene Prozess weder in seiner Richtung groß beeinflusst, noch gar gestoppt werden kann. Dies wird wohl nur passieren, wenn der Interessent wieder abspringt oder bisher als lösbar angesehene Probleme sich als unlösbar erweisen.


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